Tiefengeothermie: Transparenz statt Risiko.
Die drei Arten der Geothermie
Oberflächennahe Geothermie (bis ca. 400 m)
Diese Form ist weit verbreitet und wird oft bei Ein- und Mehrfamilienhäusern genutzt. Über Erdwärmesonden oder Kollektoren wird dem Boden Wärme entzogen und mittels einer Wärmepumpe auf Heizniveau gebracht. Sie gilt als technisch ausgereift, risikoarm und dient der dezentralen Eigenversorgung direkt am Haus.
Mitteltiefe Geothermie (ca. 400 m bis 1.500 m)
Hier werden bereits höhere Temperaturen (ca. 40–60 °C) erschlossen. Diese Tiefe wird oft für die Versorgung von kleineren Wohnquartieren oder Gewerbebetrieben genutzt. Die technischen Anforderungen sind höher als bei der oberflächennahen Variante, aber deutlich geringer als bei industriellen Tiefbohrungen.
Tiefe Geothermie (ab ca. 1.500 m bis 3.500 m)
Dies ist das in Neuhofen und Waldsee diskutierte Verfahren. Es zielt auf heißes Thermalwasser in großer Tiefe ab, um Fernwärmenetze in Städten (wie Speyer oder Schifferstadt) zu speisen. Aufgrund der enormen Bohrtiefe und des industriellen Maßstabs gehen damit spezifische Anforderungen an die Geologie und den Standort einher, die wir für unsere Gemeinden kritisch hinterfragen.

Was bedeutet das Projekt für Neuhofen und Waldsee?
Die Planung für das Projekt „Rhein-Pfalz“ hat sich verändert: Der Bohrplatz soll nun auf Flächen in Neuhofen (westlich der Schlicht) entstehen. Für uns als FWG ändert dieser Gemarkungswechsel nichts an der Faktenlage.
Untergrund kennt keine Gemarkungsgrenzen
Auch wenn der Bohrturm nun in Neuhofen stehen soll, bleiben die Bohrziele in ca. 3.500 Metern Tiefe unverändert. Das bedeutet: Die Bohrungen durchqueren weiterhin den Untergrund unter unseren Seen (Schlicht/Wolfgangsee) und ggf. unseren Wohngebieten. Das Gefahrenpotenzial für Mikroseismik und unvorhersehbare geologische Reaktionen bleibt für Waldsee und Neuhofen gleichermaßen bestehen.
Unfairer Vergleich in der Wärmeplanung
In der aktuellen kommunalen Wärmeplanung der VG Rheinauen wird das Wärmenetz mit maximaler Förderung kalkuliert. Im Gegensatz dazu werden individuelle Lösungen der Bürger, wie moderne Wärmepumpen, oft mit 0 % Förderung gegengerechnet. Das verzerrt die tatsächliche Wirtschaftlichkeit massiv.
Die Realität: Für Wärmepumpen gibt es in der Regel bis zu 55 % Förderung. In Kombination mit einer eigenen PV-Anlage ist dies oft die wirtschaftlichere und sicherere Lösung.
Kommunales Wärmekonzept: Realismus statt Risiko
Wir sind ausdrücklich für die Wärmewende und erneuerbare Energien. Wir unterstützen die Untersuchung von Wärmenetzen dort, wo sie ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind – etwa durch sicherere Technologien wie Flusswasser-Wärmepumpen. Gegenüber der Tiefengeothermie in dieser Form bleiben wir jedoch kritisch: Die Risiken stehen für uns in keinem gesicherten Verhältnis zum Nutzen für unsere Gemeinden.
Transparenz bei der Wirtschaftlichkeit
Ein Wärmenetz benötigt eine Anschlussquote von 60 bis 80 %, um tragfähig zu sein. Wir hinterfragen kritisch, ob diese Quote bei den heutigen Baustandards überhaupt erreicht werden kann, denn einen Anschluss- und Benutzungszwang unterstützen wir ausdrücklich nicht. Sollte die Geothermie technisch scheitern (wie zuletzt in Graben-Neudorf) oder die Kosten explodieren, dürfen weder die Gemeinde noch die angeschlossenen Haushalte in eine Kostenfalle geraten.
Bürgerwille respektieren
Über 1.500 Unterschriften aus Waldsee zeigen deutlich: Die Bürger wollen bei diesem Experiment im sensiblen Rheingraben mitentscheiden. Das Quorum für einen Bürgerentscheid ist erreicht.
Am 23. April findet die Sondersitzung des Ortsgemeinderats zur rechtlichen Prüfung des Bürgerbegehrens statt. Wir werden dort weiterhin dafür kämpfen, dass Ihre Sorgen ernst genommen werden und die Sicherheit unseres Eigentums an erster Stelle steht, denn wir möchten, dass unsere Gemeinden lebenswert bleiben.
Wir bleiben dabei: Keine unnötigen Risiken für unsere Gemeinden!
Aktueller Stand:
Der ursprünglich geplante Bohrplatz an der Schlicht in Waldsee wurde nach Protesten verworfen. Ein neuer Standort ist in der Nähe auf der Gemarkung Neuhofen in Planung

